Wenn Musik erklingt, noch dazu live gespielt, und wenn gemeinsam gesungen wird, dann glänzen die Augen der Seniorinnen und Senioren. Dann sind sie dabei, dann blühen sie auf und genießen die Fröhlichkeit und die Erinnerungen, die mit der Musik verbunden sind.
In der Tagespflege Zeuzleben der Caritas-Sozialstation Sankt Michael verbreiten immer wieder verschiedene Hobby-Musiker gute Laune. An diesem Nachmittag ist Alleinunterhalter Dieter Mathes mit seinem Keyboard in die Einrichtung gekommen. Im großen Aufenthaltsflur hat er sein Instrument aufgebaut und auch die Lautsprecherboxen gerichtet. Schließlich sollen alle Gäste im ganzen Haus seine Musik hören und kräftig mitsingen können. Der Raum ist mit Stühlen, Sesseln und Sofas gerichtet, so dass alle Tagesbesucher auch Platz finden.
Zum Geburtstag gibt es ein Ständchen
Das Kreuzberglied ist ein prächtiger Einstieg in die Singrunde, zumal die Anwesenden gleich kräftig einstimmen beim Refrain „Grüß mir die Heimat, grüß mir mein Rhönerland“. Weil eine Seniorin an diesem Tag Geburtstag hat, wird ihr ein gemeinsames Ständchen gesungen: „Wie schön, dass du geboren bist“, erklingt es aus vielen Kehlen und die Sängerinnen und Sänger klatschen sich dabei ein.
Alte Volkslieder und fröhliche Stimmungslieder
Hobbymusiker Mathes weiß, wie er sein Publikum zum Mitmachen animiert. Es spielt zum einen die alten Volkslieder, die jeder Tagesgast noch kennt, und bei denen man mitschunkeln oder mitklatschen kann: Das Kufsteinlied, „Horch, was kommt von draußen rein“ oder „Mein Vater war ein Wandersmann“ fallen daher bei den Gästen der Tagespflege auf fruchtbaren Boden.
Zum anderen hat er auch Stimmungslieder im Gepäck, gerade jetzt, wo mit dem 11. 11. die Faschingszeit wieder begonnen hat. „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, „Lustig ist das Zigeunerleben“ oder gar „Rucki, Zucki“ tönt es durch den Raum und die Seniorinnen und Senioren heben ihre Arme hoch und schütteln sie kräftig im Takt der Melodie.
Nicht nur etliche Beine wippen mit, manche Seniorin und mancher Senior möchte zur Musik auch tanzen. Die Betreuerinnen und Betreuer der Tagespflege sind nicht nur gerne die Tanzpartner. Sie animieren auch die Zuhörer immer wieder, zu klatschen oder sich an den Händen zu fassen und zu schunkeln.
Ehrenamtlich zur Unterhaltung bereit
Über seine Frau, die als Betreuungsassistentin in der Tagespflege arbeitet, kam der Kontakt zum Musiker aus Niederwerrn zustande. Dieter Mathes hat langjährige Erfahrung in der Unterhaltung, hat in mehreren Bands mitgespielt und beherrscht einige Instrumente. Ihm macht es Spaß, ehrenamtlich für Seniorinnen und Senioren zu spielen, weil er weiß, wie erfrischend und aufbauend Musik sein kann. Für seine Auftritte in der Tagespflege nimmt sich der berufstätige Hobby-Musikant eigens von seiner Arbeit frei oder feiert Überstunden ab.
Ohne Unterbrechung hat er bereits eine gute halbe Stunde gespielt und mit den Gästen gesungen, als eine Trinkpause für die Seniorinnen und Senioren angesagt ist. Mit einem „Prosit der Gemütlichkeit“ animiert Mathes die Tagesgäste dazu, Flüssigkeit zu sich zu nehmen, die die Betreuerinnen und Betreuer anbieten.
Erinnerungen an früher
Während der Pause schwelgen zwei alte Damen auf ihrem Sofa in Erinnerungen. „Früher haben wir mehr gesungen“, denkt die 90-jährige Besucherin zurück. „Wir waren neun Kinder zuhause und unsere Mutter konnte so gut singen“, ergänzt sie. Ihre Nachbarin kennt die alten Tanzlieder noch aus der „Waldesruh“, wie sie erzählt. Auch wenn heute in ihrem hohen Alter die Füße nicht mehr so recht mitmachen wollen, zum Mitsingen reicht es noch allemal, lächelt sie. „Wir sind so glücklich, dass wir hierher kommen können“, meint die 90-jährige. „Wenn man da nicht dankbar ist, dann stimmt was nicht“.