Seit 2003 leitet Ulrich Buchholz die Sozialstation Sankt Michael in Werneck und hat sie Zug um Zug ausgebaut zu einem großen sozialen Dienstleister unter dem Dach der Caritas. Sein 60. Geburtstag ist Anlass für ihn, zurückzublicken auf kreative und herausfordernde Zeiten, und nach vorne zu schauen, auf kommende Aufgaben.
Frage: Herr Buchholz, Ihr Dialekt verrät Sie, dass Sie nicht aus Franken kommen. Wo liegen Ihre Wurzeln?
Ulrich Buchholz: Im Schwarzwald, im Ortenau-Kreis. Dort habe ich ursprünglich mal Schreiner gelernt, bevor ich zur Altenpflege wechselte.
Frage: Etwas ungewöhnlich. Wie kam denn das?
Ulrich Buchholz: Ich war als Schreinergeselle auf der Walz, unter anderem 1987 sogar in der damaligen DDR. Nach dieser Zeit verweigerte ich nachträglich den Wehrdienst – ich hatte meine Bundeswehrzeit schon nach der Lehre absolviert. Damals ging der Zivildienst fünf Monate länger als der Bundeswehrdienst, so dass ich diese Monate in einem Altenheim mitgeholfen habe. Dort bin ich auch nach dieser Zeit geblieben und habe anschließend den Beruf des Altenpflegers gelernt.
Frage: Was war denn ausschlaggebend für den Berufswechsel?
Ulrich Buchholz: Ich hatte bei meiner ‚Tippelei‘ gemerkt, wie gut mir der ständige Wechsel tat, vor allem, dass ich viele soziale Kontakte hatte und gerne bei den Menschen war. In der Schreinerei war das nicht so, da war ich fest in meiner Werkstatt. Dieses Soziale, und auch die Flexibilität fand ich in der Altenpflege. Ich hatte auch nie ein Problem mit Schichtdiensten.
Frage: Wie kamen Sie nach Unterfranken?
Ulrich Buchholz: Ich war auch als Altenpfleger quasi auf der Walz, ich habe in Potsdam gearbeitet, in der Schweiz, im Schwarzwald und in Würzburg. Immer war die Stelle mit einem gewissen Aufstieg verbunden. Als ich in die Einrichtung nach Werneck kam, habe ich mir Ziele gesetzt, ich bin ja kreativ und recht umtriebig. Ich wollte alles schaffen, dass alte Menschen so lange wie möglich zuhause wohnen können. Und im Rückblick kann ich sagen, dass ich vieles geschafft habe. Mein Glaube hat mir dabei geholfen.
Frage: Inwiefern?
Ulrich Buchholz: Für mich ist Glaube etwas Reales, also reales Erleben dessen, was Gott will. Wenn ich etwas brauche, dann bete ich, immer im Blick, das Beste für die Menschen zu tun.
Frage: Wie sieht das konkret aus?
Ulrich Buchholz: Ich achte bei meiner Geschäftsführung auf den Dreiklang von Finanzen, Mitarbeiter und Kunden. Kein Part soll überbewertet werden, das ist meine Zielsetzung. Wenn ich zum Beispiel merke, ein Kunde braucht mehr Zeit, etwa um zu erzählen, dann bekommt er diese Zeit auch von meinen Mitarbeiterinnen. Ich habe noch nie jemanden gerügt, weil er zu viel Zeit bei einem Klienten verbrachte.
Frage: Aber trotzdem müssen Sie als Leiter der Sozialstation gut wirtschaften können und die Finanzen im Griff haben.
Ulrich Buchholz: Ich habe mich immer weitergebildet, um auf dem aktuellen Stand zu sein. Ich bin nicht nur Pflegedienstausbilder, sondern habe nebenberuflich auch den staatlich geprüften Finanzbuchhalter absolviert. Das war hilfreich, so habe ich den Überblick über die Zahlen. Und die ersten zehn Jahre in Werneck habe ich auch die Buchhaltung noch selbst gemacht. Das Schöne bei meiner Geschäftsführung für den Verein Sankt Michael ist, ich komme aus der Pflege und weiß, was nötig ist. Und ich bin gleichzeitig immer noch nah dran an den Zahlen.
Frage: Die Sozialstation in Werneck ist in Ihrer Zeit ständig gewachsen. Was war Ihr Antrieb?
Ulrich Buchholz: Als ich hier angefangen habe, gab es neun Mitarbeitende und vier Touren im ambulanten Pflegedienst. Heute sind wir 140 Beschäftigte, die in den Bereichen Sozialstation, also Pflegedienst, in der Tagespflege in Zeuzleben und als Alltagsbegleiter arbeiten. Anfangs wurden 70 Patienten versorgt, heute sind es 600. Und unser Umsatzvolumen liegt heute bei 4,5 Millionen Euro. Mir ging es immer darum, Angebote zu schaffen, damit Menschen im Alter möglichst lange zuhause bleiben können. Nicht jeder einzelne Bereich unserer Sozialstation muss sich tragen. Aber das Gesamtkonzept muss stimmen.
Frage: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Ulrich Buchholz: Mein größter Wunsch ist, eine betreute Wohngemeinschaft aufzubauen. Denn ich leide wirklich, wenn meine ‚Lieblingspatienten‘ ins Altersheim müssen. In so einer WG sollte der gleiche Pflegeansatz gelten und dass Zeit für die Menschen ist. Denn es geht nicht nur ums Geld.