Die Tagespflege Zeuzleben feiert 2025 ihr zehnjähriges Bestehen. Fast genauso lange, nämlich seit neun Jahren, leitet Carmen Keller diesen Bereich der Sozialstation Sankt Michael in Werneck. In dieser Zeit entwickelte sich die Tagesstätte für Seniorinnen und Senioren stetig weiter: in Bezug auf die Angebote, die Qualität, die Anzahl der Mitarbeiter und der Gäste. Im Interview blickt Carmen Keller zurück.

Frage: Sie haben ursprünglich Krankenschwester gelernt und auch lange Jahre in diesem Beruf im Krankenhaus gearbeitet. Wie kamen Sie zur Sozialstation Sankt Michael?

Carmen Keller: Ich habe seit 1983 im Josefs-Krankenhaus in Schweinfurt gearbeitet, dort meine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, fünf Jahre auf der Intensivstation gearbeitet und nach der Geburt meiner beiden Kinder auf der HNO- und der Inneren Abteilung gearbeitet. Weil meine ältere Schwester, die als Altenpflegerin im ambulanten Pflegedienst der Sozialstation Sankt Michael arbeitete, mich eines Tages fragte, ob ich dort für eine Nachtschicht einspringen könnte, sagte ich zu. Ich begann also neben meiner Teilzeitarbeit in Schweinfurt einen Minijob in Werneck, mit Wochenenddiensten oder kurzen Touren und bin auch beim Café Klatsch mit eingestiegen.

Frage: Warum wechselten Sie dann zur Tagespflege in Zeuzleben?

Carmen Keller: Die Abwechslung hier und vor allem das andere, persönliche Vertrauensverhältnis zu den Gästen haben mir gefallen. Man hat hier Zeit für Menschen, für ihre Betreuung. Sie sollen sich hier geborgen fühlen.

Ein halbes Jahr nach der Eröffnung der Tagespflege habe ich dann auf Wunsch des Geschäftsleiters der Sozialstation, Ulrich Buchholz, einen Kurs für die Bereichsleitung absolviert. Die Geschäftsleitung mit den finanziellen Aspekten behielt er bei.

Frage: Welche Aufgaben haben Sie als Bereichsleiterin?

Carmen Keller: Ich bin quasi von der Pflege ins Büro gewechselt. Ich bin hier für die Kundenneuaufnahme da, halte Kontakt mit den Angehörigen, kümmere mich um das Personal, führe Mitarbeitergespräche, bespreche mich regelmäßig mit den sechs Teams, erstelle den Dienstplan, organisiere den Belegungsplan je nach Buchungen der Kunden und vieles mehr. Bei insgesamt 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Tagespflege und aktuell 40 Tagesgästen kommt da einiges zusammen.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Einrichtung seit ihrer Gründung vor zehn Jahren?

Carmen Keller: Wir sind hier in jeder Hinsicht gewachsen, auch was die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Gäste anbelangt. Am Anfang stand außerdem gleich der Anbau an das frühere Schulgebäude mit einem Büro, Toiletten, Hauswirtschaftsraum und Umkleiden.

Vor allem wurden die Betreuungsangebote in den zehn Jahren stetig ausgeweitet. Neben Beschäftigungs- oder Bewegungsangeboten haben wir hier beispielsweise den G-Weg zur Sturzprophylaxe etabliert, die Maks-Therapie zur Stabilisierung der geistigen und motorischen Fähigkeiten oder die Generationenbrücke mit dem benachbarten Kindergarten. Für mich waren alle Neuerungen und Erfahrungen hier auch eine persönliche Bereicherung und Weiterentwicklung.

Frage: Gibt es auch Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Carmen Keller: Die Qualität unserer Tagespflege ist natürlich auch immer vom Personal abhängig. Ich achte nicht nur auf ein gutes Betriebsklima und auf die Einbindung der Mitarbeiter und ihre Mitsprache bei Veränderungen. Unser Personal bildet sich auch regelmäßig weiter. So absolvieren die Betreuungsassistenten mindestens 16 Einheiten pro Jahr, die Pflegekräfte werden in den Expertenstandards unterwiesen, es gibt Validationsfortbildungen, Fahrertraining, regelmäßige Einweisungen in der Betreuung und vieles mehr.

Frage: Sie bieten auch frisch gekochtes Essen für die Tagesgäste oder für Gäste von außerhalb an. Wird das angenommen?

Carmen Keller: Sehr gut sogar. Unsere Küche hat sich in den Jahren ebenfalls weiter entwickelt. Zudem können hier auch alte Menschen ein warmes Mittagessen mit Pfandgeschirr abholen, damit sie zuhause nicht kochen müssen.

Frage: Was muss man Ihrer Meinung nach tun, um ältere Menschen vom Besuch einer Tagespflege zu überzeugen?

Carmen Keller: Man muss zeigen, was man hat. Das machen wir bei einem Tag der offenen Tür oder bei Festen. Am besten ist es, wenn Angehörige ihre Senioren davon überzeugen, ein oder mehrere Schnuppertage hier zu verbringen. Dann erleben sie selbst, was es hier gibt und wie es läuft. Wenn es jemand ruhiger mag, kann er ja erst einmal am Wochenende kommen. Am allerbesten aber ist die Mundpropaganda: Wenn es jemandem hier gefällt, erzählt er es auch weiter.

Frage: Was wünschen Sie sich nach zehn Jahren Tagespflege?

Carmen Keller: Dass die Einrichtung so beliebt bleibt, wie sie es ist.