Schnell und richtig reagieren: Das ist im medizinischen Notfall wichtig. Weil die Erste Hilfe geübt werden muss, lassen sich auch Pflegekräfte und Mitarbeiter der Sozialstation Sankt Michael regelmäßig schulen. Denn nur durch häufiges Üben weiß man auch, wie man im Ernstfall handeln muss.

Gut 20 Beschäftigte der Sozialstation haben sich an diesem Tag zum Notfalltraining in einem Gruppenraum der Tagespflege Zeuzleben eingefunden. Sie arbeiten im ambulanten Pflegedienst der Caritas-Sozialstation Werneck, in deren Senioren-Tagesstätte, als Alltagsbegleitung oder auch im Küchendienst der Tagespflege. Denn es könnte natürlich überall sein, dass ein Gast oder Kunde plötzlich einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleidet, wie der Referent erklärt. Und dann wird gerade vom Personal einer Sozialstation erwartet, dass es Hilfe leisten kann.

Schulung in Präsenz

Udo Albrecht kennt sich aus. Der Heilpraktiker arbeitet als externer Berater bei der Firma Kinstle, die neben Hygienemanagement in Pflegeeinrichtungen auch Notfalltrainings anbietet. Er weiß, dass Unsicherheit und Angst in schwierigen Situationen die potentiellen Helfer lähmen können. Umso mehr bemüht er sich, mit den Pflegekräften ins Gespräch zu kommen, ihnen leicht verständlich zu erklären, wie sie vorgehen müssen.

Während solche Schulungen mittlerweile auch Online via Internet angeboten werden, besteht der Einrichtungsleiter der Sozialstation, Ulrich Buchholz, auf Präsenzseminaren für seine Mitarbeiter. Denn so ist ein persönlicher Austausch möglich, so kann auch jeder Teilnehmer eine Herzdruckmassage selbst üben und bei Bedarf dabei korrigiert werden.

Anhand eines fiktiven Zwischenfalls, bei dem ein Mensch zusammenbricht, erarbeiten die Kursteilnehmer jetzt gemeinsam die Rettungsmaßnahmen. Zuerst muss das Bewusstsein des Betroffenen kontrolliert, die Person also angesprochen und angefasst werden. Sollte sie bewusstlos sein, muss in der Nähe nach Hilfe gerufen werden, macht Udo Albrecht deutlich.

Die Atmung kontrollieren

Vor der Kontrolle der Atmung sollte kurz nachgesehen werden, ob lockere Prothesen im Mund vorhanden sind. Wenn die Person atmet, sollte sie in eine stabile Seitenlage gebracht werden. Eine Kursteilnehmerin zeigt spontan und vorbildlich, wie dies zu bewerkstelligen ist.

Sollte aber keine Atmung mehr festzustellen sein, muss schnell eine Reanimation erfolgen. Eine zweite Person sollte spätestens jetzt den Notruf zur Nummer 112 absetzen, erklärt Albrecht. Schnellstes Handeln ist deshalb so wichtig, weil bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand das Gehirn bereits nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff unwiderruflichen Schaden nimmt. Ohne sofortige Erste Hilfe, ohne eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (H-L-W), ist nach acht bis zehn Minuten meist kein Überleben mehr möglich.

Während heute eine Mund-zu-Mund-Beatmung untrainierten Laien nicht mehr empfohlen wird, so der Kursleiter, ist eine Herzdruckmassage umso wichtiger. Denn sie erzeugt einen künstlichen Blutkreislauf und transportiert Blut und damit Sauerstoff zum Gehirn.

Sehen, Rufen, Drücken

„Kurz gesagt ist der Dreiklang ‚Sehen, Rufen, Drücken‘ wichtig“, erklärt Udo Albrecht, bevor er eine Trainingspuppe auf dem Fußboden legt. Am Druckpunkt etwa in der Mitte des Brustkorbs setzt er mit beiden Handballen übereinander an, um das Brustbein kurz und kräftig herunterzudrücken. 30 Mal soll das geschehen, dann im besten Fall zwei Mal beatmet werden.

Alle Kursteilnehmer versuchen sich dann ebenfalls an der Herzdruckmassage und stellen fest, wie anstrengend sie sein kann. Weil bis zum Eintreffen eines Rettungsdienstes durchaus 15 Minuten lang weiter reanimiert werden muss, ist es wichtig, eine zweite Person dabei zu haben, unterstreicht der Kursleiter.

Er bespricht mit den Seminarteilnehmern unter anderem auch die Verwendung von Defibrillatoren (AED) und deren Funktionsweise. Für ihn und die Mitarbeiter der Sozialstation ist es wichtig, dass das wiederholte Üben der Rettungsmaßnahmen Sicherheit gibt. So dass im Notfall die erlernten Fähigkeiten auch angewendet werden können.