Mit ihrer offenen und herzlichen Art gewinnt Alltagsbegleiterin Svetlana Scholl sofort die Herzen ihrer Klienten. Seit über einem Jahr arbeitet die 37-Jährige bei der Sozialstation Sankt Michael und unterstützt stundenweise alte oder kranke Menschen in ihrem Zuhause: Sei es mit kleinen hauswirtschaftlichen Diensten, mit Begleitung zum Einkaufen und zum Arzt oder mit Gesprächen und Unterhaltung.

Um neben eigener Erfahrung auch mit fundiertem Wissen die hilfsbedürftigen Klienten zu unterstützen, absolvierte sie jetzt mit weiteren Kolleginnen einen dreimonatigen Kurs als Betreuungskraft. Das BBI Berufsbildungsinstitut Lohwasser in Haßfurt qualifizierte sie mit hervorragendem Ergebnis für ihre Arbeit. Mit dem neuen Zertifikat übt sie nun weiter ihre Alltagsbegleitung aus, aber mit gestärktem Blick und Kenntnissen.

Kleine Dienste und Gesellschaft

„Ich bin auf die Möglichkeit einer Alltagsbegleitung gestoßen, weil meine Mutter mit 54 Jahren an Demenz erkrankte und eine Person ins Haus kam, um meinen Vater zu entlasten“, blickt Svetlana Scholl zurück. „Ich habe gemerkt, wie wertvoll diese Unterstützung ist. Und dass ein großes Vertrauen zu dieser Person herrschte“.

Als Svetlana, Mutter zweier Kinder und selbstständig im Einzelhandel arbeitend, einige Zeit später per Zufall eine Bekannte traf, die genau diese Alltagsbegleitung ausübte, informierte sie sich näher und entschied sich dafür, dies beruflich zu machen. „Oft braucht es Hilfe beim Putzen, Wischen oder Saugen. Manchmal gehen wir spazieren oder wir kaufen gemeinsam ein. Oder wir müssen zum Brillenladen oder zum Einstellen eines Hörgerätes“, erzählt die Betreuerin von ihren Diensten.

Kurs vermittelt besondere Kenntnisse

Weil die Qualität der Betreuung generell für die Sozialstation Sankt Michael an oberster Stelle steht, besuchte die 37-Jährige im Frühjahr dieses Jahres besagten Kurs als Betreuungskraft. „Wir haben so viele wichtige Informationen erhalten und viel gelernt“, resümiert Svetlana Scholl dankbar.

Vermittelt wurden beispielsweise besondere Kenntnisse etwa im Umgang mit Demenzkranken. Oder woran man einen Schlaganfall erkennt und wie man dann handelt. Aber auch Krankheiten wie Dekubitus standen auf dem Stundenplan. „Das ist die Realität“, weiß die Alltagsbegleiterin.

Es ging um Ernährung, um Lebensmittel-Gruppen, aber auch um spezielle Gerichte, etwa für Diabetiker. „Zum Teil koche ich ja auch mit den Klienten“, berichtet sie. Umso wichtiger seien besondere Kenntnisse für die jeweiligen Anforderungen. Auch rechtliche Anforderungen, etwa zum Betreuungsrecht, Haftungsrecht oder zu einer Patientenverfügung, wurden vermittelt. Oder was dem Menschen rechtlich zusteht, wenn er krank wird.

Die soziale Betreuung, die Beschäftigung mit dem Klienten, spielte im Kurs eine große Rolle. Auch die verschiedenen Arten der Kommunikation, der Körpersprache, Mimik und Gestik wurden betrachtet. „Wir gehen in der Alltagsbegleitung ganz individuell auf die Situation und die Bedürfnisse unserer Klienten ein“, sagt Svetlana Scholl. Es entstehe ein Vertrauensverhältnis, man baue eine Beziehung auf. Verschwiegenheitspflicht ist dabei für die Betreuerinnen oberstes Gebot.

Glücklich in der Alltagsbegleitung

Auch heikle Themen, etwa Gewalt und Schmerzen, wurden im Kurs behandelt. „Ich habe mich mal füttern lassen und dabei selbst gespürt, dass es unterschiedliche Arten gibt“, erzählt Svetlana Scholl. Oder was es bedeutet, mit dem Rollator zu gehen. Natürlich wurden auch Themen wie Tod und Sterben betrachtet, wie man damit umgehen könne. „Das ist wichtig, das gehört dazu.“

Die 37-Jährige ist nach Beendigung ihrer Fortbildung wieder glücklich mit ihrer Arbeit als Alltagsbegleiterin. „Meine Klienten spüren das, es ist eine wertschätzende Begleitung“, meint sie. „Ich liebe meine Arbeit so sehr, weil die Menschen mir so viel zurückgeben“.