Das Kindergartenjahr geht zu Ende. Damit kommt das erste Jahr des Projekts „Generationsbrücke“ zwischen der Tagespflege Zeuzleben und dem benachbarten Kindergarten Kunterbunt zu einem Abschluss. Aber ab September soll es weitergehen, wünschen sich die Beteiligten. Denn für alle, für die Vorschulkinder wie für die Seniorinnen und Senioren, war das regelmäßige Treffen ein absoluter Gewinn.
Zum letzten Mal, bevor sie in die Schule kommen, besuchen die acht Kunterbunt-Kinder ihre Oma- und Opa-Partner in der Tagespflege. Weil beide Betreuungseinrichtungen so nah beieinander liegen, ist der regelmäßige Besuch zwischen Alt und Jung alle paar Wochen ohne großen Aufwand zu bewerkstelligen, erklärt Erzieherin Maria Reusch. Sie leitet gemeinsam mit Betreuungskraft Melanie Kömm in der Tagespflege die „Generationsbrücke“.
Wertschätzung und Verbundenheit
Dabei geht es darum, dass beide Generationen gegenseitige Wertschätzung, Verbundenheit und Freude erfahren. Es wird viel erzählt, gesungen, gelacht, gebastelt und gespielt an diesen gemeinsamen Vormittagen. „Davon profitieren der kognitive, motorische und soziale Bereich“, erklärt Melanie Kömm. Und: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt“.
Auch beim letzten Treffen vor der Sommerpause finden die Kindergartenkinder beim Betreten des Raumes in der Tagespflege sofort ihre Partner, begrüßen sie und nehmen im Stuhlkreis neben ihnen Platz. Für Seniorin Gertrud, die heute Geburtstag hat, gibt es zuerst ein Ständchen, bevor die Betreuungskraft bei den Kindern nachfragt, was denn im vergangenen Jahr am meisten Spaß gemacht hat. Das Spielen mit den Luftballons an Fasching, das Toben mit dem Schwungtuch, das Basteln, die Igelgeschichte – viele Aktionen sind den Kindern im Gedächtnis, man merkt, dass sie Freude an den gemeinsamen Stunden mit den Seniorinnen und Senioren haben.
Gemeinsamer Spaß an der Kegelbahn
Heute ist eine mobile Kegelbahn mitten im Raum aufgebaut. Sofort erzählt Robert von seiner Kegelzeit in Zeil, auch Gertrud gibt ihre Erinnerungen an ihre frühere Kegelgemeinschaft wieder. Jetzt dürfen Alte und Junge abwechselnd ihr Glück mit der Kugel versuchen. Die Senioren bemühen sich sichtlich, bei den energischen Würfen der Kinder mitzuhalten. Die umgefallenen Kegel werden von den Kleinen wieder aufgestellt. Sie dürfen auch zählen, wie viele Kegel umgefallen sind, ein kleiner Ansporn für die anstehende Schulzeit.
Nach der Trinkpause basteln die Jung-Alt-Paare gemeinsam aus Kartonagen ein Herz, versehen mit dem Foto der jeweiligen Partner. „Das ist ein Andenken an unser gemeinsames Jahr“, erklärt die Erzieherin. „Das wird daheim aufgehängt“, freut sich Seniorin Zita. „So wie die anderen Bastelarbeiten auch“.
Beim Blick auf die Einschulung der Kinder werden bei den Senioren Erinnerungen an die eigene Schulzeit wach. Als noch alle Kinder von der ersten bis zur achten Klasse in einem Raum saßen. Oder wie streng der Lehrer damals war. Oder dass die erste Schultasche von der Cousine weitervererbt war.
Bereicherung für beide Seiten
„Die Generationsbrücke ist für die Senioren eine Bereicherung“, weiß Betreuungskraft Melanie Kömm. Für die Kinder ist das Treffen ebenso wichtig, zumal viele Omas noch berufstätig sind und wenig Zeit haben, ergänzt Maria Reusch. Beide Fachfrauen wollen das Projekt weiterführen, wenn die nächsten Vorschulkinder und ihre Eltern einverstanden sind. „Die Besuche sind freiwillig“.
Mit dem Abschlusslied „Auf Wiedersehn, der Tag mit euch war wunderschön“ endet die gemeinsame Zeit. „Vielleicht trifft man sich ja irgendwann mal wieder“, meinen Alte und Junge beim Abschied.