Sie ist Vermittlerin, Unterstützerin, Ideengeberin und Informantin: Die Mitarbeitervertretung (MAV) der Sozialstation Sankt Michael Werneck. Hinter dem abstrakten Begriff MAV stehen sieben Frauen, die für die insgesamt 150 Beschäftigten des Vereins Sankt Michael einstehen: Sei es bei Dienstvereinbarungen, Problemen oder auch Fragen der eigenen Gesundheit. Denn das jüngste Projekt ist ein Sportprogramm per App für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Schon länger überlegten die Vertreterinnen der Beschäftigten, was sie ihren Kolleginnen und Kollegen im sportlichen Bereich anbieten könnten. Zwar habe es vor wenigen Jahren einen mehrstündigen Kurs gegeben, erinnert sich MAV-Mitglied Christine Reith. Allerdings seien die Übungsstunden zeitlich kaum für alle Beschäftigten machbar gewesen. Daher holte sich die MAV eine örtliche Gesundheitsfachfrau, die 30 Interessierte im Wernecker Pfarrheim über richtiges Bewegen im Pflegeberuf informierte und ganz praktisch auch Übungen zeigte. Diese Übungen können jetzt alle Beschäftigten der Sozialstation per App täglich wiederholen. Auf einem Video verdeutlicht ihnen die Fachfrau die richtigen Bewegungen, nur 15 Minuten Zeit sind dafür nötig.

App bietet einen Überblick über das eigene Gesundheitsempfinden

Hinzu kommen in der App Fragen zur eigenen Gesundheit, zum Schmerzempfinden, Stress, zur Schlafqualität oder Zufriedenheit. Auf einer Skala von Null bis Zehn kann der Grad angegeben werden. Wenn eine Mitarbeiterin täglich die Übungen macht und die Fragen beantwortet, kann sie an einer daraus resultierenden Kurve erkennen, ob der heimische Sport hilfreich ist. So erhält sie einen Überblick

„In unserem Beruf gibt es häufig Rücken- und Schulterprobleme“, weiß Ute Sauer, die im ambulanten Pflegedienst für die Sozialstation zu den Klienten unterwegs ist. Aber auch Verspannungen im Nacken können beeinträchtigen, ergänzt Christine Reith, die in der Verwaltung arbeitet. Beide Frauen engagieren sich in der MAV, Reith bereits in der vierten Periode, Sauer in ihrer ersten. Beide bewerten das neue Sportprogramm per App als äußerst hilfreich. „Man kann es zuhause so einbauen, wie es in den jeweiligen Tagesablauf passt“.

Mitarbeitervertretung vermittelt zwischen Leitung und Beschäftigten

Das neue Sportprogramm ist nur ein Baustein der MAV-Arbeit für alle Beschäftigten. „Wir sind vor allem Vermittler zwischen der Leitung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, erklärt Christine Reith, die seit zwölf Jahren dem Gremium angehört. Wenn es etwa um Dienstvereinbarungen geht, wird die MAV miteinbezogen. Dazu gehören auch Verhandlungen zum Regeln der Arbeitszeit. Beispielsweise wurden auf diese Weise die sogenannten Rüstzeiten für die Beschäftigten im ambulanten Pflegedienst auf 15 Minuten pro Tag festgelegt. Zumal die Dokumentationen und die Bürokratie immer mehr zunehmen, erklärt Reith. Auch für das Umziehen der Dienstkleidung wurden zehn Minuten pro Tag zuerkannt.

„Man kann aber nicht nur die Forderungen von einzelnen Beschäftigten sehen, sondern muss immer die Allgemeinheit im Blick haben“, verdeutlicht Christine Reith. Sie plädiert auch dafür, immer die Situation des gesamten Betriebs im Blick zu haben. Dem Verein Sankt Michael ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer fürsorglichen Atmosphäre arbeiten können. Auch deshalb gibt es für sie kostenlose Getränke und es steht immer ein Obstkorb bereit.

Arbeitsatmosphäre in der Sozialstation wird als offen eingeschätzt

Für eine transparente, offene Atmosphäre in der Sozialstation spricht, dass die MAV bei Neueinstellungen vom Personalbüro schriftlich über die Vergütungsgruppe des neuen Mitarbeiters informiert wird. Oder dass der sogenannte Kummerkasten, ein Briefkasten für anonyme Wünsche, kaum gebraucht wird, wie Ute Sauer erklärt. „Jeder Mitarbeiter kann auch alleine mit der Leitung sprechen.“

Was die Rechte und Pflichten der MAV anbelangt, wurde sie als Neuling im Gremium auch bei Fortbildungen innerhalb ihrer Arbeitszeit gut informiert. „Es ist auch spannend zu erfahren, wie es in anderen Bereichen der Caritas gehandhabt wird“, weiß sie inzwischen.

Regelmäßig treffen sich die MAV-Mitglieder, besprechen aktuelle Themen und Probleme und erfahren dabei viel auch von anderen Bereichen des Betriebs. „Man muss die Bereitschaft haben, sich für andere einzusetzen“, fasst Christine Reith zusammen. „Man wächst daran und reift persönlich“, hat sie erfahren. „Und man bekommt mehr Verständnis für den Betrieb“.