Ausprobieren und sehen, ob dieser Beruf einem taugt: Das war der Plan von Merle Vogt, als sie nach ihrem Abitur 2023 als Bundesfreiwillige, als Bufdi, bei der Sozialstation Sankt Michael anfragte. Die Mithilfe in deren Senioren-Tagespflege in Zeuzleben gefiel ihr so gut, dass sie danach in eine Ausbildung als Pflegefachkraft startete.

„Ich wusste nach dem Gymnasium nicht, was ich beruflich machen wollte“, denkt die heute 20-Jährige zurück. Zumal wegen der Corona-Pandemie auch diverse Praktika im Rahmen ihrer Schulzeit und damit eine Hilfestellung zur Berufswahl wegfielen.

„Früher hatte ich mich mal vage für Pflege interessiert“, erklärt die junge Frau. Aber wie genau das aussehen könnte, wusste sie nicht. Um in den Beruf hineinschnuppern zu können, recherchierte sie zum Thema Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und zum Bundesfreiwilligendienst. Sie stieß dabei auf ein Stellenangebot der Sozialstation Sankt Michael für einen Bufdi in der Tagespflege an ihrem Wohnort Zeuzleben. „Perfekt zum Starten“, dachte sich die Abiturientin und fing gleich im August 2023 dort an.

Selbstsicherheit gewonnen

Merles Arbeitstag mit einer 39-Stunden-Woche begann um 8 und endete um 16.30 Uhr, ihr Taschengeld plus einiger Zulagen belief sich auf 748 Euro.

„Ich bin ja eigentlich etwas schüchtern“, bekennt sie. Aber die Seniorinnen und Senioren hätten sie in der Tagespflege gleich angesprochen und ihrerseits keine Scheu gezeigt, so dass Merle ihnen gegenüber immer offener wurde. Auch die Selbstsicherheit wuchs immer stärker.

Ihre Aufgaben im Tagesablauf waren zum einen die Mithilfe in der Hauswirtschaft, aber auch bei organisatorischen Angelegenheiten, etwa im Archiv oder Büro. Die 18-Jährige unterstützte hilfebedürftige Gäste beim Essen, zeigte in der Beschäftigungstherapie gymnastische Übungen oder las aus der Zeitung vor. Vor allem aber gefiel ihr die Biografie-Arbeit, das Reden mit den alten Menschen, die Unterhaltung mit ihnen. Und dass so viel Dankbarkeit von ihnen zurückkam.

Auch im ambulanten Pflegedienst der Sozialstation hospitierte Merle Vogt. Sie fuhr mit einer erfahrenen Praxisanleiterin zu den Patienten und erlebte die Arbeit der „Tour-Schwestern“ hautnah mit.

Dreijährige generalistische Pflegeausbildung

Als sie gefragt wurde, ob sie sich eine Ausbildung zur Pflegefachkraft vorstellen könnte, sagte sie zu. „Ich habe gemerkt, dass mir das Jahr sehr gut gefallen hat. Aber ich wollte noch mehr machen als ausschließlich Betreuung“, erklärt die junge Frau. Die dreijährige generalistische Pflegeausbildung, die sie im September 2024 bei der Sozialstation Sankt Michael begann, bietet ihr diese Möglichkeit. Denn sie vereint die drei früheren Berufe in der Altenpflege, der Krankenpflege und der Kinderkrankenpflege.

Innerhalb ihrer Ausbildung muss sie je 400 Stunden in der ambulanten Pflege, in der stationären Akutpflege, also einem Krankenhaus, und in einer stationären Langzeitpflege, beispielsweise einem Pflegeheim, absolvieren. Hinzu kommen 120 Stunden in der Kinderpflege, sowie kleinere Einsätze, etwa in der Psychiatrie. Merle möchte auch in einer Notaufnahme mitarbeiten.

Viel theoretischen Stoff gilt es über die Berufsschule, in Merles Fall am Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt, zu lernen. „Viel muss man sich auch selbst erarbeiten“, weiß die 20-Jährige inzwischen: Medikamentenlehre, Krankheitslehre, Diagnostiken. Und viele Fachbegriffe muss sie verinnerlichen.

Vergleich von stationärer und ambulanter Pflege 

Nach ihrem ersten Lehrjahr mit Stationen im Krankenhaus hält Merle für sich fest, im richtigen Beruf gelandet zu sein. Mittlerweile kann sie auch vergleichen zwischen der stationären und der ambulanten Pflege. „Im Krankenhaus sind die Abläufe sehr schnell, Klienten wechseln, man muss sich immer auf Neues einstellen. Es ist sehr interessant“. In der ambulanten Pflege habe man subjektiv mehr Zeit für den Patienten, man könne sich mehr in Ruhe mit ihm unterhalten. „Ich fühle mich hier wohler“.

Grundsätzlich hat Merle erkannt, dass es ihr gefällt, „für den Menschen da zu sein und zu helfen, wo er Defizite hat“. Für ihre Zukunft weiß sie: „Nach der Ausbildung stehen mir alle Wege offen“.