Mit viel Leidenschaft lebt Anja Wicker ihren Beruf als Pflegefachkraft bei der Sozialstation Sankt Michael. Im ambulanten Pflegedienst versorgt sie pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren in ihrem Zuhause. Schon vor einigen Jahren hat sie sich weitergebildet zur zertifizierten Wundexpertin, um sich ausschließlich um die Versorgung von akuten und chronischen Wunden bei den Patienten zu kümmern. Jetzt hat sie sich auf diesem Gebiet weiter qualifiziert: Zur „Fachtherapeutin Wunde ICW“.
Diese Spezialisierung wurde Anja Wicker von der Sozialstation bezahlt, die damit weiter in die Qualität der Station investiert. Hier gibt es nun ein umfassendes Angebot in der Wundversorgung, mit einem Team aus Wundtherapeutin und mehreren Wundexperten. Ein Angebot, das im weiten Umkreis ziemlich einmalig ist.
Vertieftes Wissen und Leitungskompetenz
Der Unterschied zwischen Wundexperte und Wundtherapeut ist das vertiefte Wissen eines Therapeuten. Dieser kann nicht nur die fachgerechte Versorgung der Patienten übernehmen, sondern auch organisatorische, koordinierende und leitende Aufgaben in einer Wundversorgungseinheit ausüben. Anja Wicker leitet jetzt das Team der Wundexperten bei der Sozialstation. Sie wird auch weiterhin eng mit den Ärzten zusammenarbeiten und nach deren Verordnung vorgehen, sie wird Wundversorgungskonzepte entwickeln, Behandlungen je nach Stadien der Wunde durchführen, Patienten und Angehörige aufklären und den Heilungsverlauf dokumentieren.
Bei der Bezeichnung „Fachtherapeutin Wunde ICW“ steht die Abkürzung ICW für „Initiative Chronische Wunden“ und ist eine Fachgesellschaft für Menschen mit chronischen Wunden und deren Behandler. Die Organisation arbeitet mit dem TÜV Rheinland zusammen, der die Prüfung und Zertifizierung übernimmt. Das einmal erworbene Zertifikat als Wundexperte und auch als Fachtherapeut gilt aber nur für eine begrenzte Zeit. Nur durch regelmäßige Fortbildungen kann das Zertifikat verlängert werden. Auf diese Weise bleiben die Wundbehandler stets auf dem neuesten Wissensstand.
Versorgung je nach Grad der Wunde
In 120 Stunden Unterricht sowie 40 Stunden Hospitation im Krankenhaus und einem Sanitätshaus vertiefte Anja Wicker ihre Kenntnisse in der phasengerechten Wundversorgung. Dabei erhielt sie unter anderem Einblicke in die Arbeit der Gefäßchirurgie, die ein praktizierender Chirurg vorstellte. „Uns wurde gezeigt, wie eine Amputation beim Diabetischen Fußsyndrom, eine Major-Amputation oder eine Hauttransplantation abläuft“, erläutert die Fachfrau. Probleme beim Anblick solcher Wunden hat sie nicht: „In der Grundversorgung werde ich ja jetzt auch schon mit solchen Wunden konfrontiert oder mit Dekubitus – dem Wundliegen – bis auf Knochen und Sehnen.“
Denn tatsächlich sind Dekubitus und Ulcus cruris – umgangssprachlich: „offenes Bein“ – die gängigsten Probleme, mit denen die Wundexpertin und Wundtherapeutin zu tun hat. Diese Wunden entstehen aufgrund der Minderdurchblutung des Gewebes. Beim arteriellen Ulcus sind die kleinen Kapilargefäße meist am Schienbein betroffen, beim venösen Ulcus meist am Sprunggelenk. Das kann bis zur Amputation führen.
Hilfsmittel für verschiedene Krankheiten
Welche Hilfsmittel bei den verschiedenen Krankheitsbildern empfehlenswert und sinnvoll sind, stellte ein Apotheker den Teilnehmenden der Weiterbildung ebenfalls vor, erzählt Anja Wicker. Denn sie kann selbst Hilfsmittel verordnen und muss dabei stets den Grad der Wunde und ihrer Heilung berücksichtigen. „Denn Wunden verändern sich permanent“, so Wicker.
Weitere Unterrichtsinhalte waren die Organisation rund um die Wundversorgung, die Art der Kommunikation oder das Netzwerk zwischen Wundtherapeut, Ärzten und Sanitätshaus.
Auch die Gesundheitsökonomie ist Teil der Fortbildung. Wie rechnet eine Sozialstation, ein Krankenhaus oder ein Hausarzt die Wunderversorgung ab? Denn mit der Qualifikation als Wundtherapeuten könnten sich die Teilnehmenden selbstständig machen und müssten wissen, wie sie wirtschaftlich arbeiten können. Für Anja Wicker keine Option: „Mir gefällt es bei der Sozialstation Sankt Michael so gut, ich bleibe“.