In jeder Einrichtung im Gesundheits- und Pflegebereich ist Hygiene das A und O. Entweder ein eigens ausgebildeter Mitarbeiter oder ein externer Berater muss laut Infektionsschutzgesetz dafür sorgen, dass die Abläufe aus Sicht der Hygiene stimmen und dass das Personal entsprechend geschult ist.

Bei der Sozialstation Sankt Michael Werneck übernimmt ein externer Dienstleister, der zertifizierte Desinfektor René Kinstle, seit 2012 diese Aufgabe. Er ist mindestens einmal im Quartal vor Ort beim ambulanten Pflegedienst und in der Senioren-Tagesstätte in Zeuzleben. Er übernimmt die Hygienebegehung in der jeweiligen Einrichtung sowie die Hygieneschulung und Folgebelehrung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deren Pflicht ist es, sich jährlich unterweisen zu lassen. Denn auch wenn sie längst die Hygienevorschriften kennen, so sind eine Auffrischung und eine Sensibilisierung dafür sinnvoll. Zudem werden sie mit den jeweils aktuellen rechtlichen Anforderungen vertraut gemacht.

Begehung in der Einrichtung

Bei der Vor-Ort-Begehung liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit darauf, „die Arbeitsabläufe aus Hygienesicht zu bewerten, Risiken zu erkennen und diese zu minimieren“, erklärt Kinstle. Ganz praktisch sieht das in der Sozialstation in Werneck so aus, dass er beispielsweise die Aufbereitung des Materials begutachtet, zumal die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch eine Wundversorgung bei ihren Klienten durchführen. Also überprüft er: Wie wird die Sterilisation der Hände oder Geräte erledigt? Wie wird sichergestellt, dass keine Keime von einem zum nächsten Patienten übertragen werden? Wie ist die Beschriftung des Materials in den Vorratsschränken? Wie sieht die Pflegetasche des Personals aus?

Augenmerk auf dem Umgang mit Lebensmitteln

In der Tagesbetreuung der Seniorinnen und Senioren in Zeuzleben liegt das Hauptaugenmerk des Hygieneberaters auf den Lebensmitteln. Denn in der Tagesstätte am Marktplatz werden jeden Tag 50 bis 60 Mittagessen frisch gekocht. René Kinstle kontrolliert die Einhaltung der Kühlkette, die Erstellung der vorgeschriebenen Rückstellproben oder die Reinigung von Arbeitsflächen und Küchengeräten mittels Abklatschtest. Unter anderem werden Messer, Schneidebretter oder Aufschnittmaschine auf etwaige Verunreinigungen überprüft.

Wichtig bei der Arbeit mit Lebensmitteln ist vor allem die Trennung von unreinem und reinem Bereich, von Kochküche und Spülküche, von sauberem und verschmutztem Geschirr. „Wie wird das Geschirr in die Spülmaschine ein- und ausgeräumt?“, fragt der Hygienemanager bei der Begehung.

„Wir werden wie andere Gastronomiebetriebe unangemeldet von der Lebensmittelüberwachung des Landratsamtes kontrolliert“, ergänzt die Leiterin der Tagesstätte, Carmen Keller.

Kontrolle der Reinigungsprozesse

Im ganzen Haus kontrolliert Kinstle auch den Reinigungsprozess, wie geputzt wird, mit welchem Material, welchen Putzmitteln, welcher Dosierung. Das Ergebnis wird mit dem Personal besprochen. „Wir haben hier eine Dosieranlage für die Putzmittel eingebaut“, erklärt Keller. Natürlich ist auch die Mülltrennung ein Thema, damit sich keine etwaigen Keime verbreiten können.

Ansprechpartner bei aktuellen Fragen

Die Leiterin der Seniorenbetreuung schätzt es, dass René Kinstle auch bei aktuellen Fragen zur Seite steht. „Gerade in der Corona-Pandemie war es für uns wichtig zu wissen, wie wir vorgehen müssen“, sagt sie. Denn schließlich musste alles Erdenkliche dafür getan werden, um das Infektionsrisiko bei der Betreuung der Klienten der Sozialstation und der Tagesgäste zu minimieren sowie diese und die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen.

Über aktuelle Krankheitsthemen klärt der Hygienemanager bei seinen Schulungen ebenfalls auf und erläutert, wie das Personal damit umgehen soll: Sei es ein Magen-Darm-Infekt, eine Bindehautentzündung, multiresistente Keime, Krätze oder der Noro-Virus. So kann die Sicherheit für alle Beteiligten erhöht werden.