Ein neues bemerkenswertes Projekt gibt es in der Senioren-Tagespflege Sankt Michael in Zeuzleben. Eine Generationsbrücke. Dabei besuchen regelmäßig acht größere Kindergartenkinder eine gleich große Gruppe von Senioren, um mit dem immer gleichen älteren Partner oder der Partnerin eine gemeinsame Zeit zu erleben. Gefüllt ist diese mit fröhlichen Liedern, mit gegenseitigen Massagen oder mit Bastelarbeiten. Mit jedem Besuch lernen sich Jung und Alt besser kennen und verstehen. Glückliche Momente sind dabei inbegriffen.

 Ganz vertraut neigt die kleine Jessica ihren Kopf zu ihrer Nachbarin und Partnerin Hiltrud hinüber und schmiegt sich schließlich an die Seniorin. Diese streicht ihr sanft über das Haar und freut sich sichtlich über die Berührung.

Jessica und Hiltrud sitzen an diesem Vormittag mit den sieben anderen Generationenpaaren im Stuhlkreis in einem Aufenthaltsraum der Tagespflege und begrüßen mit den anderen singend jeden Teilnehmer der Generationsbrücke. Neben jeder Seniorin oder jedem Senior sitzt ein Vorschulkind aus dem benachbarten Kindergarten Kunterbunt. Man kennt sich bereits, weiß, welcher Name stets besungen wird.

Kleine Wellness-Einheit

Als die Betreuungsassistentin der Tagespflege, Denise Wörner, die Kinder auffordert, kleine Massage-Igel bei ihr zu holen, ist klar: es folgt eine Wellness-Einheit. Zu einer Igelgeschichte, die die Erzieherin Maria Reusch vorliest, bewegen die Kinder das stachelige Gummi-Teil über Beine, Arme, Schulter und Rücken ihrer Senioren-Partner. Zaghaft rollen sie den kleinen Ball über den Körper, manche Seniorin schließt dabei die Augen und genießt die Massage. Dann übernehmen die Tagesgäste den aktiven Part und massieren „ihre“ Kinder mit dem Gummi-Igel.

Begegnungen mit Wohlfühlerlebnis

Die beiden Frauen aus dem Personal der Tagespflege und des Kindergartens leiten dieses Projekt „Generationsbrücke“ und haben dazu eine Fortbildung absolviert, erklärt Denise Wörner. Es geht ihnen darum, dass Jung und Alt regelmäßig und in festen Partnerschaften zusammentreffen und dass sie sich dabei wohlfühlen. Es geht nicht wie sonst bei Kindergartenbesuchen darum, dass die Kinder etwas vorführen. Vielmehr sollen bei den Begegnungen die Kinder zum sozialen Umgang angeregt werden und die Senioren können aktiv zum Wohlergehen der Kinder beitragen.

Gute Umgangsformen gehören dazu

Spätestens als die beiden leitenden Frauen dazu einladen, Tee oder Wasser, Lebkuchen oder Kekse zu essen, tauen die Kinder auf und verlieren vollends ihre Scheu. Sie fragen ihre älteren Partner, welches Gebäck sie möchten und holen es ihnen vom Tisch in der Mitte des Stuhlkreises. „Die sind lecker“, beteuert Aaron zu seinem Partner Robert. „Danke“ und „Bitte“ gehören zu den kleinen Handreichungen dazu.

Miteinander werden dann die acht Paare aktiv, als es darum geht, einen großen Stern zu basteln. Zweier-Tische werden zurechtgeschoben, „jetzt karten wir einen Schafkopf“, meint Robert scherzend zu seinem kleinen Aaron.

Miteinander am Basteln

Weil das Transparentpapier, aus dem die Sternform ausgeschnitten werden soll, sich ständig zusammenrollt, halten die Senioren es so fest, dass die Kinder mit der Schere hantieren können. Ganz nah sitzen Alt und Jung beieinander an den Tischen, Fragen tauchen auf, kleine Gespräche entwickeln sich.

Gemeinsam reißen sie aus buntem Transparentpapier kleine Schnipsel, die dann auf den Stern geklebt werden. „Gelb und blau, wie die Flagge von Schweden“, weiß der kleine Samuel, als er gemeinsam mit Zita die Papierstücke aufklebt. Jetzt noch die Sternform aus schwarzem Tonpapier aufgeklebt und fertig ist das gemeinsame Kunstwerk.

Lebendig und ungezwungen

Ganz ungezwungen laufen die Kinder jetzt durch den Raum, schauen, was die anderen so fertiggebracht haben. Mit den verteilten Feuchttüchern wischen sie sich nicht nur die Hände voller Klebstoff ab, sondern manche säubern damit auch gleich die Arbeitstische.

Erstaunt stellt der kleine Ben fest, dass sie vor lauter Eifer vergessen haben, „ihr“ Lied zu singen. „Große und Kleine sind füreinander da“ klingt es gleich darauf durch den Raum. Und: „Wir gehen alle Hand in Hand“.

Den gebastelten Stern schenken die Kinder ihren Partnern. „Den hänge ich daheim ans Fenster“, erklärt Zita, nachdem sich die zuletzt immer lebhafter werdenden Kinder verabschiedet haben. „Das ist so eine wunderbare Sache“, sagt sie über das Projekt Generationsbrücke, „da ist Leben hier“.

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